Aktuelles Detail

Der Marbacher Stadtmarketingverein nimmt die Gartenschau in den Fokus

Gartenschau als Kultur-Motor

Die Schillergesellschaft braucht mehr Personal und mehr Platz. Ein neues Gebäude soll bis 2031 fertig sein. Von Karin Götz

Im November fällt die finale Entscheidung der Gemeinderäte in Marbach und Benningen über eine gemeinsame Bewerbung für eine kleine Gartenschau, die dann frühestens 2031, spätestens 2036 stattfinden könnte. Der Stadtmarketingverein der Schillerstadt (SSM) hatte die Idee, solch ein Projekt umzusetzen, in die kommunalen Gremien getragen und seitdem mit großem Engagement begleitet. Das Thema Gartenschau stand bei der Mitgliederversammlung, die dieses Jahr bei Samen Hild stattfand, im Fokus. Um die Bedeutung des Projektes für die Stadt zu untermauern, hatte der SSM zwei Männer eingeladen, die aus unterschiedlichen Perspektiven ihr Ja zu einer Gartenschau bekräftigten: Roland Kamzelak und Norbert Mai (siehe Bericht unten). Ersterer, der stellvertretende Direktor des Deutschen Literaturarchivs, machte gleich zu Beginn seines Beitrags klar, dass die Gartenschau für die Deutsche Schillergesellschaft wichtig ist. Marbach sei als Forschungsinstitut international bekannt und verfüge über eine ganze Reihe von Alleinstellungsmerkmalen. Auch die Besucherzahlen in den Museen gingen nach

oben. Eigentlich habe man keinen Grund, sich zu beklagen. Eigentlich. Denn uneigentlich stagniert die Entwicklung der Stellen und des finanziellen Budgets. Seit der Eröffnung des Literaturmuseums der
Moderne verfüge man über 103 Planstellen. „Die letzte Erhöhung war 1995“, so Kamzelak. Auch das Budget liege seit mehr als zehn Jahren bei rund zehn Millionen Euro. Stand heute müsse man in den kommenden beiden Jahren die Aktivitäten deshalb einstellen und die Zahl der Ausstellungen zurückführen. „In 2020 werden wir vermutlich keine eigene Ausstellung machen, weil uns das Geld fehlt“, kündigte Kamzelak an. Die Magazine sei en voll – ebenso wie das externe Magazin in Sindelfingen. „Die Situation ist so schlecht, dass wir in der Politik auf allen Ebenen viel Wirbel gemacht haben.“ Um ein größeres Budget zu erhalten – unter anderem für 30 zusätzliche Stellen und ein neues Gebäude, das das Kapazitätsproblem lindern würden – habe man ein Konzept vorgelegt und die Stadt beziehungsweise
eine Gartenschau als Motor genutzt. „Wir haben argumentiert, dass das neue Gebäude bis 2031, also bis zur Gartenschau, fertig sein muss“. Geplant ist ein offener Forschungsbau, in dem dann Kunstwerke oder Autorenbibliotheken wie beispielsweise die von Paul Celan, endlich einen Platz fänden. Im November
werde im Parlament verhandelt. „Und die Signale sind gut“, freut sich Kamzelak. Der Motor Gartenschau scheint zu zünden.

DIE IDEEN UND DER ZEITPLAN

Zeitschiene Im Dezember 2017 wurde das Stuttgarter Büro Planstatt Senner mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie für die Gartenschau beauftragt. Im November fällt die finale Entscheidung für oder gegen eine Bewerbung. Geben die kommunalen Gremien grünes Licht, rechnen die Planer im Sommer
2020 mit einem Zuschuss. Die Gartenschau kann dann frühestens 2031 stattfinden.

Eckpunkte Mit der Kombination aus Wasser und Literatur soll gepunktet werden. Die großen Ziele sind unter anderem eine bessere Anbindung des Neckars, eine bessere Verbindung der Kommunen Marbach und Benningen durch einen zweiten Steg, eine barrierefreie Anbindung der Altstadt sowie der Schillerhöhe
an den Neckar – möglicherweise mit einem Schrägaufzug –, die Erweiterung der Schillerhöhe zu einem Literatur- und Kulturpark sowie das Schaffen eines zusammenhängenden Grünraums. Auf der Benninger
Seite sind das Einrichten eines kleinen Seitenarms des Neckars sowie eines Wasserspielplatzes samt Uferpromenade angedacht. Auch die römische Vergangenheit soll genutzt werden, in dem beispielsweise
die Eckpunkte des ehemaligen römischen Kastells durch Skulpturen hervorgehoben werden. kaz

Hier der ausführliche Artikel der Marbacher Zeitung mit Bildern.